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EVTA.CH News
Juni 2016

Die EVTA.CH ist die Interessensvertretung der gesangslehrenden, stimmbildenden und fachverwandten Berufe in der Schweiz.

Willkommen

Im Frühling

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag' mir, all-einzige Liebe,
Wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wenn werd' ich gestillt?

Die Wolke seh' ich wandeln und den Fluß,
Es dringt der Sonne goldner Kuß
Mir tief bis in's Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage!

Eduard Mörike vertont u.a. von Hugo Wolf,
Willy Burkhard und Theo Flury

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Auf unserer Website www.evta.ch können Sie sich unter „Suchen & Finden“ gratis als Gesangslehrkraft eintragen lassen. Aus Datenschutzgründen veröffentlichen wir unsere Mitgliederliste nicht, aber ich möchte unsere aktive EVTA-Gemeinde herzlich ermuntern, ihre Namen dort zu publizieren. Nach individuellem Wunsch mit voller Adresse oder nur mit e-Mail, Website oder Telefon. Benutzen Sie noch heute dieses Angebot und kontaktieren uns mit einer Notiz an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., damit wir auch als Netzwerk weiter wachsen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler suchen sich ihren Unterricht heute im Netz. Wir Gesangslehrenden müssen uns als Vermittelnde eines uralten Handwerks zeitgemäss verbinden, damit kein Wissen verloren geht! Oder nochmals mit Mörikes Frühlingsrausch: „Was webst du für Erinnerung in golden grüner Zweige Dämmerung? Alte unnennbare Tage!“
Als Einstimmung auf die ICVT 2017 in Stockholm zum Thema "The future of singing" hat unser Mitglied Susanne Ronner Larsson einen äusserst lesenswerten Bericht über Opernimprovisation in Schweden geschrieben. Sie finden ihn in voller Länge am Ende dieses Newsletters - varmt välkommen!

Einen schönen Sommer wünscht
Hans-Jürg Rickenbacher

Die Fotos in diesen EVTA-News stammen vom Berner Workshop mit Joy C. Green und aus Susanne Ronner Larssons Bericht über Opernimprovisation in Schweden.

Vorschau

Samstag, 15. Oktober 2016, Basel

Workshop mit Gerd Türk und David Blunden
Verzierungen in da capo-Arien für die Praxis
Was tun wir im Da capo einer barocken Arie? Im Unterricht herrscht oft Ratlosigkeit bei Lehrenden und Lernenden. Spezialisten aus der Schola Cantorum Basiliensis helfen mit vielen klingenden Beispielen aus der Praxis! 13.00 bis 16.00 Uhr Neuer Saal Musik-Akademie Basel
17.00 Apéro

EVTA-Mitglieder haben freien Eintritt, Anmeldungen bis 1.10.2016 an // '>This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Samstag, 7. Januar 2017, Münchenbuchsee

Wegen grosser Nachfrage in Zweitauflage:
Workshop STIMMPRO 2.0 mit Andreas Schaerer
Andreas Schaerer ist kein Sänger, sondern ein vokaler Teilchenbeschleuniger und zeigt im Workshop Einstiege in erweiterte Vokaltechniken.
Hildegard lernt fliegen ist keine Band, sondern ein Sturm. Bandkopf Andreas Schaerer lässt seine sprudelnde Fantasie mit Vollgas aufs Publikum los.
Programm
13.00 bis 16.00 Uhr Workshop STIMMPRO im Bären Buchsi, Bernstrasse 3, 3053 Münchenbuchsee

16.30 bis 17.30 Uhr Mitgliederversammlung EVTA Schweiz
ab 18 Uhr individuelles Abendessen im Restaurant Bären gegen Voranmeldung
21.00 Uhr Konzert mit Andreas Schaerer und Hildegard lernt fliegen. Vorverkauf direkt bei Bären Buchsi ab November 2016
Workshop-Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldungen bis 1.12.2016 an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Samstag, 29. April 2017, Bern

Stimmwelten 2017 - Weitere Informationen folgen
 

Empfehlungen

Leitartikel in der aktuellen Vox Humana zum Thema Singen mit demenzkranken Menschen unserer Schweizer Autorin Désirée Pauli

TERMINE:
  • 6. Zürcher Stimmtagung 24. Juni 2016, verlängerte Anmeldefrist für EVTA-Mitglieder! Anmeldungen bis 22.6.2016 an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.  Flyer
  • 11. Internationale Stuttgarter Stimmtage 29.9. bis 2.10.2016 Flyer
  • Meisterkurs mit Margreet Honig, Musik-Akademie Basel, Anmeldungen bis 15.8.2016
  • Meisterkurs mit Brigitte Fassbaender in Zürich, 9. bis 11. Dezember 2016
  • Liederfrühling in Zürich, 12. bis 14. Mai 2017
  • Klangwelt Toggenburg, Naturstimmen Festival 2018

Berichte

Bericht Workshop Joy C. Green
 
Am Samstag, 21. Mai 2016, führte Joy C. Green 24 interessierte Sängerinnen und Sänger durch die MIX- Technik für alle Gesangsgenres.
Ihr Vorname wurde dabei Programm einer lustvollen, zweieinhalbstündigen energiegeladenen Performance, in der die virtuose Technikerin den Unterschied einer natürlichen, freien Tongebung und allen möglichen zusätzlichen Soundeffekten klar zeigen, benennen und unterscheiden konnte.
Ihre Übungen liessen Registerübergänge nicht als Grenze oder Bruch zwischen getrennten Tonräumen erleben, sondern als logischen Mix einer guten Balance von Atemdruck, Stimmbandschluss und Tongebung.
Durch Hörbeispiele und mit gemeinsamen Übungen erfuhren wir, wie sich dieser Mix anfühlt und wie er klingen sollte, damit der Kehlkopf entspannt schwingen kann, die Stimme gleichbleibend und sicher intoniert und ein natürliches Vibrato entstehen kann.

Bericht Stimmwelten
 
Am 30. April 2016 konnten EVTA-Mitglieder und ÖffentlichkeitStimmdiagnose und -Therapie am Ort des Geschehens erleben. Zum Weltstimmtag öffnete die Phoniatrie des Inselspitals Bern ihre Türen – mit Einblicken in die Diagnose und Therapie von Stimmstörungen.  
Im ersten Teil wurden Stimmfeldmessung, Video-Stimmbandaufnahmen, Stimm-Anatomie,  Logopädie und Gesangspädagogik vom Spezialistenteam hautnah erklärt. Im zweiten Teil gaben fünf kurze Referate Einblick in den Weg von einer Stimmstörung zurück zum Singen.
Die „stimmige“ Veranstaltung wurde mit  Apéro und einem musikalischen Beitrag aus dem Fachbereich Jazz der HKB abgerundet: „Die Drei“  gaben ihren poetischen Stücken und Impros Grazie(n) und Namen: Leonie Altherr (Gesang), Sonja Ott (Trompete) und Johanna Pärli (Kontrabass) www.kult-agentur.ch
 
Die Berner Veranstaltung zum International World Voice Day findet seit 2010 als Kooperation zwischen InselspitalHKB und European Voice Teachers Association Schweiz (EVTA) statt. Die nächste Veranstaltung Stimmwelten wird am Samstag, 29. April 2017 durchgeführt.

Opernimprovisation in Schweden

Als Mitglied der EVTA Schweiz, des SSTPF (schwedischer Gesangspädagogen- und Logopäden-Verband) und des Röstforum (Forum für die Stimme) nehme ich anlässlich des geplanten ICVT 2017 in Stockholm die Möglichkeit wahr, über ein aktuelles Thema in Schweden zu berichten - OPERNIMPROVISATION.
RÖSTFORUMS RIKSSTÄMMA 9./10. April 2016 in Göteborg, Schweden
Vorlesung/Workshop: Opernimprovisation - kreative Untersuchungen der Berufsrolle eines klassischen Sängers 

Bericht von Susanne Ronner Larsson


Seit 9 Jahren gibt es in Schweden die Gruppe OPERAIMPROVISATÖRERNA(die Opernimprovisatoren), welche es sich zur Aufgabe macht, Opern zu improvisieren. Diese künstlerische Form hat die letzte Zeit wieder viel Aufmerk-samkeit errungen und ist jetzt auch als pädagogisches Werkzeug bekannt. Ein Mitglied dieser Gruppe, Sara Wilén, unterrichtet an der Musikhochschule in Malmö Opernimprovisation und schreibt zurzeit an ihrer Doktorarbeit über dieses Thema. An der Jahresversammlung des Röstforums hat sie im Rahmen einer Vorlesung ihr Forschungsgebiet präsentiert und einen Workshop gehalten. In einer kurzen Zusammenfassung berichte ich über Vorlesung und Arbeitsweise im Workshop mit dem Pianisten Conny Antonov, mit dem sie seit 10 Jahren zusammen arbeitet. Ergänzend werde ich über Opernimprovisation als Unterrichtsfach an der Musikhochschule berichten.

OPERNIMPROVISATION ALS FORSCHUNGSGEBIET
Die Forschungsfragen ihrer autoethnografischen Doktorthesis mit dem Arbeitstitel Opera in process - the possibilities and challenges of opera improvisation lauten:

a) Wie kann ich Einsichten über unsere musikalischen, lyrischen und dramatischen Improvisationsprozesse untersuchen, formulieren und kommunizieren?
b) Wie kann ich meine performativen Strategien und Methoden als klassische Gesangsimprovisatorin thematisieren und entwickeln?

Einleitend wurden folgende Strategien und Techniken der Opernimprovisation dargelegt:

Das Erschaffen einer fiktiven Situation wird kreiert durch Fragen wie: Wer bin ich? Wo sind wir ? Was machen wir? Warum? Welche Relation haben wir? In welcher Zeit spielen wir ?  
Der Aufbau der Dramaturgie erfolgt durch folgende Teile:
Plattform: ”Es war einmal…”
Präsentation: „Jeden Tag…“
Konflikt: „Plötzlich eines Tages…“
Wendepunkt: „Dies führte dazu…“;
Abschluss: „Seit dem Tag…“.    

Foto: Örjan Gotensjö

Folgende Faktoren beeinflussen ebenfalls das Ergebnis der Improvisation: innere Bilder und Gefühle der Darstellenden; der musikalische Kontext (Idiome/Stile und musikalische Formen); Raum und Bewegung; die Relation zum Publikum. 

Opernimprovisation als musikdramatische Methode ist eine Sammlung von Techniken und Strategien, mit welchen Handlung, Musik und Text in der  Gruppe aus dem Moment kreiert wird. „Wir machen keine Werke - wir machen Seifenblasen, die verschwinden“ (Wilén).

Unsere Körper werden ”professionalisiert” durch die Literatur, mit der wir arbeiten. Normen und Hierarchien im klassischen Gesang und der Oper steuern unsere performativen Strategien.
Opernimprovisation gibt den Sängern ein größeres Mandat und mehr Handlungsraum. Es geht in der Opernimprovisation nicht so sehr um was wir kommunizieren - sondern mehr darum wie wir es tun.
So gesehen unterscheidet sich das "Was" der Opernimprovisation stark von der traditionellen Oper, hingegen das "Wie" - sofern es als interpratatorisches Werkzeug betrachtet wird - kaum.

Foto: Örjan Gotensjö

Durch ein ”tag out”-System wechseln die Opernsänger in einer Szene die Rollen fortlaufend um Genuss und Macht der verschiedenen Partien im Opernrepertoire zu erforschen.
Das Foto zeigt eine Szene aus dem 2. Akt von Puccinis Tosca. Die Sänger haben Rollen gewechselt, Wilén hat die Rolle von Scarpia übernommen und Fredrik af Klint die Rolle der Tosca.In einem bestimmten Moment wird die Szene gestoppt - das Publikum wird nun gebeten, Vorschläge zu einem neuen Szenenende abzugeben. Daraufhin improvisieren Sänger und Pianist musikalisch und dramaturgisch den neuen Schluss der Szene unter Beibehaltung der Charaktere von Musik und Rollen.

Projekt Opera Nova, love, gender, remix, ON  
Operaimprovisatörerna (2012)
Foto: Hedvig Jalhed

ÜBUNGEN IM WORKSHOP
Die Teilnehmenden im Röstforum, welche in sehr unterschiedlichen stimmrelevanten Berufen arbeiten, nahmen alle mit großem Enthusiasmus an den Opernimprovisationsübungen teil.
Um das Räumliche zu erfassen, wurden alle Teilnehmenden gebeten, sich zielbewusst mal mit der Musik, mal gegen die Musik durch den Saal zu bewegen. Dabei war darauf zu achten, dass eine gleiche Personenverteilung im Raum vorhanden bleibt. Danach wurden alle aufgefordert, sich mit dem Charakter der Musik weiter zu bewegen und dabei auch passend zu den Harmonien zu vokalisieren. Es entstand in dieser Übung durch die unterschiedlichen Klänge und Bewegungen ein beeindruckendes "Wellenerlebnis".

In einer weiteren Übung wurden die Teilnehmenden gebeten, sich im Saal eine eigene Zone vorzustellen, in der sie sich mit einer Aufgabe beschäftigen. Es wurde entschieden, dass die Zone eine Küche sei, wo jeder für sich mit Kochen beschäftigt ist. Zur bereits laufenden Klavierbegleitung wurden dann alle zu einer Vokalimprovisation aufgefordert, bei der sie ihre Gedanken zum Kochen äußern sollten. Obwohl alle isoliert in ihrer Zone sich mit ihrer eigenen  „Kochgeschichte“ befassten, gab es durch die musikalische Umrahmung dennoch einen erstaunlichen Zusammenhalt.
Schließlich wurden die Teilnehmenden gebeten, sich paarweise an einem Platz im Raum eine kurze Geschichte aufzubauen nach der oben erwähnten Formel des Dramaturgie-Aufbaus bei Bild 1. Als ich dabei im Raum umherwanderte, erlebte ich, wie sich eine heitere und entspannende Stimmung verbreitete - wahrscheinlich, weil diese Geschichten ein vermutlich nicht vorher geahntes Ende nahmen.

OPERNIMPROVISATION ALS UNTERRICHTSFACH
In dem von Conny Antonov, Åsa Håkansson und Sara Wilén im Jahr 2009 herausgegebenen Buch IMPROVISATÖRERNA – experimentella närmanden till improviserad opera som konstnärligt uttryck och redskap för pedagogisk utveckling (Die Improvisatoren - experimentelle Ansätze zur improvisierten Oper als künstlerischer Ausdruck und Werkzeug für pädagogische Entwicklung), wird das Fach Opernimprovisation an der Musikhochschule in Malmö als ein pädagogisches und künstlerisches Experiment beschrieben. Dieses hat unter anderem das Ziel zu erforschen und zu erkennen, wie Gesangsstudierende, welche in der Regel nur mit geschriebener Musik vertraut sind, vom Unvorhergesehenen und Spontanen beeinflusst werden. 
In der untersuchenden Improvisationsarbeit wird der Kreativität der Studierenden freien Lauf gelassen. Durch das spielerische Lernen und Bejahen der eigenen Impulse und jener der Mitspielenden, wird ein generöser Begegnungsplatz für musikalische und szenische Kommunikation erschaffen. Durch das gemeinsame Erforschen der eigenen künstlerischen Leistung wird die musikalische und kommunikative Kompetenz der Studenten erweitert und verfeinert. Die Improvisation ist eine Ästhetisierung von sozialen Prozessen innerhalb der Gruppe. Hier sind die Studierenden in der Lage, bedingungslos und grenzüberschreitend über ihre eigenen und fremden Werte - z.B. aus einer Genderperspektive oder auf der Grundlage von verschiedenen soziokulturellen Hintergründen - zu reflektieren. Die Studierenden entwickeln die Fähigkeit, nach innen wie auch nach außen zu lauschen und werden dabei hellhöriger - sowohl als Musiker wie auch als Individuen.

Der Unterricht hat das Ziel, die Studierenden darauf vorzubereiten, Texte, Musik und Szenen im Dialog mit dem Publikum (z.B. betreffend Wahl von Handlung und Genre) zu einer Improvisationsperformance hin zu entwickeln. Als „Musikhandwerker“ erschaffen sich die Studierenden während der Ausbildung ihre eigene Toolbox und füllen diese mit Werkzeugen, die sie zukünftig nicht nur für Opernimprovisation, sondern auch für andere szenische Situationen gebrauchen können.

Ich habe Sara Wilén vor vier Jahren an einer Forschungsweiterbildung an der Musikhochschule Malmö kennengelernt. Ihr Thema hatte mich schon damals interessiert, und ich denke, dass ihr Beitrag sowohl als Künstlerin, Forscherin und Pädagogin zunehmend Anklang finden wird.

Conny Antonov und Sara Wilén 
Foto: Kristofer Langerbeck

Weiterführende Links:
Operaimprovisatörerna/Die Opernimprovisatoren (Schwedisch/Englisch)
http://www.operaimprovisatorerna.se/
 
Digitaler Artikel in ESMUC Nummer 35,    Februar 2015 (Englisch)
A kaleidoscope of interactions - Researching and presenting processes of opera improvisation
http://www.esmuc.cat/esmuc_digital/layout/set/print/Esmuc-digital/Revistes/Numero-35-febrer-2015/Article